Lizenzierter Betreiber klagt illegales Internetcasino an

Es mag unglaublich klingen, aber es ist so weit, zumindest in Belgien. Die Schließung eines Online Casinos ist schon Tatsache. Es handelt sich dabei um den Betreiber Twino Trading, ein Unternehmen, das auf Curaçao ansässig ist. Da fragt man sich gleich, was hat der Anbieter denn so falsch gemacht. Der Grund klingt dabei ein bisschen unseriös – es wird dem Casino sehr aggressives Marketing-Verhalten vorgeworfen, und das im Vergleich zu anderen illegalen Anbietern. Dass der Anbieter illegal ist, scheint dabei weniger von Bedeutung. Es ist auch sehr interessant, wer eigentlich der Kläger in diesem Fall ist. Die Klage wurde von dem in Belgien ordnungsgemäß lizenzierten Sportwetten-Betreiber Derby erhoben. Dieser gehört zur Entain-Tochter ladbrokes und hat sich offensichtlich von der starken Konkurrenz der illegalen Online Spielhalle bedroht gefühlt.

Hat Derby illegalen Online Casinos den Krieg erklärt?

Einen leichteren Erfolg hätte sich die in Brüssel ansässige Tochtergesellschaft von Ladbrokes auch nicht vorgestellt. Das Gericht hat dabei einen eindeutigen Entschluss gefasst und die französischsprachige Webseite vom Winorama aus dem Lande verbannt. Somit wurde der Betreiber Twino Trading aufgefordert, die problematische Seite sofort aus dem belgischen Glücksspielmarkt zu entfernen. Sollte das aus irgendwelchem Grunde nicht passieren, droht dem Anbieter aus Curaçao eine hohe Geldstrafe. Jeden Tag sollte er dann 50.000 EUR an den belgischen Staat zahlen, wobei der maximale Strafbetrag 5 Mio. EUR nicht überschreiten darf.

Dabei scheint es, dass diese Klage nur der Anfang von einem Krieg gegen illegale Glücksspielanbieter in Belgien sein wird. So äußerte sich zumindest der Sprecher vom staatlich lizenzierten Derby Jean-François Libert. Er erklärte dabei, dass sich solche illegale Betreiber meistens auf der anderen Seite der Welt befinden, wie in diesem Fall in Curaçao. Sobald man aber diese mit hohen Geldstrafen droht, dann verschwinden sie sofort vom entsprechenden Markt. Libert betonte auch, dass das Urteil ein großer Erfolg sei, da sie eigentlich eine Präzedenz ist. Nachdem Twino schon aus dem belgischen Markt für Glücksspiele entfernt ist, können dann weitere illegale Anbieter folgen. Gegen welchen Betreiber von illegalen Casino-Seiten Derby in Zukunft eine Klage einzureichen gedenkt, wurde von dieser Aussage nicht klar. Angedeutet wurde nur, dass es wahrscheinlich viel größere und Belgien geografisch naher liegende Glücksspiel-Seiten sein werden.

Eigentlich besagt das nicht viel. Denn in Belgien befinden sich inzwischen mehr als 300 illegale Online Spielhallen auf der sogenannten schwarzen Liste. Somit ist ja die Auswahl für eine zukünftige Anklage groß genug.

Was wurde Twino Trading vorgeworfen?

Hinter der Formulierung „aggressives Marketing-Verhalten“ versteckt sich die bei vielen Online Anbietern gängige Praxis, Werbetexte per E-Mail und SMS an potenzielle und bestehende Kunden zu verschicken. Winorama hat dabei ununterbrochen solche Werbung an Spieler verschickt und diese mit Boni und anderen Sonderangeboten angelockt.

Reichen die Maßnahmen gegen illegales Glücksspiel in Belgien aus?

In Belgien kümmert sich für sie Ausgabe von entsprechenden Lizenzen die Glücksspiel-Aufsicht (KSC). Diese Behörde ist auch für die Maßnahmen gegen illegale Anbieter zuständig. Dabei handelt es sich um die bereits erwähnte schwarze Liste, deren Wirkung jedoch immer mehr bezweifelt wird. Das gibt auch die belgische Glücksspiel-Aufsicht selbst zu. Wenn illegale Spielhallen in diese schwarze Liste landen, brauchen sie dann nur ihre URL zu ändern und schon sind sie wieder auf dem Markt. Das erklärte die Geschäftsführerin der Behörde Magali Clavie.

Ist die Gesetzgebung wieder schuld?

Der Weg von der schwarzen Liste bis zur Strafe ist in Belgien lang. Die Glücksspiel-Aufsicht soll dabei zuerst einen Antrag an die Staatsanwaltschaft stellen. Eine Entscheidung, ob es sich um illegales Glücksspiel handelt, dauert aber bis zu 6 Monaten. Inzwischen hat die illegale Online Spielhalle eine neue Adresse.

Sanfter Umgang mit illegalen Anbietern? In Belgien nicht mehr

Die Glücksspiel Behörde Belgiens hat bis jetzt eine sehr interessante und bereits umstrittene Strategie gegen illegale Casinos angewendet. Man fordert die Betreiber auf, den Zugang zu ihren Seiten innerhalb von 15 Tagen zu blockieren. Eine andere Maßnahme folgt danach nicht. Somit ist die erste Schließung eines illegalen Anbieters ein ganz neuartiges Vorgehen im Kampf gegen illegales Glücksspiel.

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